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Über 100 Jahre Volks- und Brauchtumspflege in Würzburg

Wer einmal in der Chronik des Heimat- und Volkstrachtenvereins 1903 Würzburg e.V. liest, wird feststellen, dass es sich um die Geschichte der Trachtenbewegung in Würzburg schlechthin handelt.

Diese beginnt mit der Gründung der „Tischgesellschaft Alpenrose“ am 1.Juli 1903 durch den von Salzburg nach Würzburg versetzten Reichsbahnoberinspektor Karl Kuhn. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter aus dem Oberland wollte er das Brauchtum aus seiner Heimat fortführen. Der Verein änderte mehrmals seinen Namen, zuletzt 1909 in „Alpiner Verein Würzburg 1903“. In diesem Jahr wurde ein zweiter Verein „Almrausch 1909“ (ab 1920 „Almrausch Stamm“) gegründet. In der Folge wurde auch die unterfränkische Tracht wieder belebt, die wesentlich zur Hebung des Ansehens beitrug. Nach den Wirren des 1.Weltkrieges nahmen beide Vereine ihre Tätigkeit wieder auf. 1920 gründeten sich weitere Vereine: „Almrausch e.V. 1920“, „Die Klammtaler“ und 1928 als erster rein fränkischer Verein mit bodenständiger Tracht „Die Altfranken“, sowie 1930 der „Heimat- und Volkstrachtenverein 1930“. Alle nunmehr sechs Vereine verkehrten sehr kameradschaftlich miteinander und traten geschlossen an die Öffentlichkeit, so besonders beim jährlichen Kilianifest.

Die Zerstörung der Stadt Würzburg und der Zusammenbruch 1945 brachte das Vereinsleben der Trachtenvereine völlig zum Erliegen. So gelang erst 1952 auf Initiative früherer Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins die Wiedergründung durch Mitglieder aller ehemaliger Vereine. Man legte sich den Namen „Heimat- und Volkstrachtenverein 1903“ zu und beschloss, die Tradition aller früheren Trachtenvereine fortzuführen. Es wurde die Bildung einer Volkstanzgruppe mit der Ochsenfurter Gautracht und eine Gebirgstrachtengruppe mit der Miesbacher Tracht beschlossen. Durch die tatkräftige Unterstützung aller Mitglieder konnte bereits 1956 die Fahnenweihe in Verbindung mit dem Gaufest der Vereinigung links der Donau sowie dem unterfränkischen Bezirksfest begangen werden. Pate stand der Trachtenverein Nürnberg-Buchenbühl.

Besonderer Nachdruck wurde auf die Breitenarbeit im Jugendbereich und die Verbreitung der Trachtensache in Würzburg und näherer Umgebung gelegt. So wurde der Kilianifestzug durch den Heimat- und Volkstrachtenverein mit Unterstützung der unterfränkischen Trachtenvereine ins Leben gerufen.

Anlässlich des 85. Vereinsjubiläums fand die Weihe der zweiten Fahne statt. Pate stand der Trachtenverein „D’ Zusamtaler“ Wertingen. 1990 konnte durch einen Pachtvertrag mit der Stadt Würzburg der Traum von einem „eigenen“ Vereinsheim verwirklicht werden.

Wie in vielen anderen Vereinen auch, gibt es auch im Trachtenverein ein Nachwuchsproblem. Mit dem Stolz auf das bisher Geleistete bemüht sich der Heimat- und Volkstrachtenverein 1903 e.V. um weitere Mitglieder, insbesondere um Kinder und Jugendliche, um im Sinne des Wahlspruchs „Sitt’ und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“ die Trachtenbewegung in Würzburg aufrecht zu erhalten.